Donnerstag, 18.07.2019 16:04
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Vorbildgetreue, fahrstrassenabhängige Signalstellung

Einleitung

Das Wichtigste vorweg:
Es gibt bei den SBB keinen Unterschied bei der Signalisation zwischen Reise- und Güterzügen.

Da mir aber (bis jetzt wenigstens) der Umstand, dass Güter- und Personenzüge unterschiedliche Signalbegriffe zu sehen bekommen, gefällt, werde ich für's Erste von der "vorbildgerechten Signalisation" ein klein wenig abweichen  - künstlerische Freiheit nennt man so was !

Die Realisation "vorbildgetreuer", fahrstrassenabhängiger Signalstellung im obigen Sinne ist mit TrainController nicht mit den mitgelieferten Bordmitteln möglich.

Eigentlich schade, dass TC diese Informationen (die alle bereits vorhanden sind) dem Benutzer nicht zur Verfügung stellt und man alle Informationen sich mit "Hilfskrücken" nochmals erarbeiten muss; zugegebenermassen nicht so einfach und zuverlässig wie TC es könnte.

Änderungen in TC Version 7

Seit TC Version 7 ist es nun möglich, mit Hilfe der erweiterten Signalsteuerung unter Berücksichtigung des eingestelltens Fahrweges die Geschwindigkeit und den Fahrbegriffes des Signales ohne die Verwendung von Bahnwärtern zu realisieren.

Das folgende Beispiel zeigt das Vorgehen unter Version 5.8.

Aufgabenstellung

Ziel ist es, das Signal vor dem doppelten Gleiswechsel für die Fahrt von links nach rechts abhängig davon, ob die Weiche gerade oder ablenkend und, wenn auf Ablenkung, ob es ein Personen- oder Güterzug ist, zu stellen.

Ist die Weiche gerade soll der Fahrbegriff 1 unabhängig der Zuggattung erscheinen:

Steht die Weiche jedoch auf Ablenkung und ist es ein Personenzug soll Fahrbegriff 3 (60km/h) angezeigt werden:

Ablenkung und Güterzug soll jedoch Fahrbegriff 2 (40km/h) anzeigen:

Vorgehen

Als Erstes muss das Signal von der normalen Blocksteuerung getrennt werden; diese schaltet zwar das Signal, kennt aber nur Fahrbegriff 0, 1 und 2.

Im Block 17.1 (Bild 4) sind keine Signale eingetragen
Einstellmöglichkeiten im Block

Bild 4: Hier wird unter "Geschwindigkeit" FB1 und FB2 definiert. Was ist aber wenn zusätzlich noch FB3, FB5 oder FB6 signalisiert werden sollen?

Anschliessend werden für jede Fahrrichtung und Signalbegriff Bahnwärter[1] definiert, die das Signal beim Erreichen des ersten Melders dieses Blockes in Abhängigkeit der reservierten Fahrstrasse stellen (die Geschwindigkeitsverringerung wird dann wieder automatisch durch TC erledigt). Beim Verlassen des letzten Abschnitts des Blockes wird das Signal auf Fahrbegriff "Halt" gestellt.

Zu beachten ist, dass ein Gegenzug keinerlei Aktionen auslösen darf! Ebenso muss verhindert werden, dass die Signalbeeinflussung von den permanenten Zugfahrten abhängig ist, sie soll auch funktionieren wenn mittels AutoTrain (temporäre Zugfahrt) gefahren wird.

Eine weitere Schwierigkeit besteht darin, dass bei geschalteter Fahrstrasse und Belegtmeldung im Folgeblock (warum auch immer; manuelle Fahrt? Feuchter Finger auf der Schiene oder ähnliches ...) der Zug angehalten wird (dies macht TC selber) und das Signal auf "Halt" bleibt und anschliessend, wenn der Folgeblock wieder frei wird, der richtige Signalbegriff angezeigt wird und der Zug auf die dem Signalbegriff entsprechende Geschwindigkeit beschleunigt.

Für zwei Signale sehen die Definitionen wie folgt aus

Ablauf

Ein Personenzug ist mittels „AutoTrain“ auf der Strecke „Block 17.1“ von unten kommend (Bild 7) in Richtung „Block 18.2“ (Bild 8, Zp-SBB Personenzug) unterwegs. Die Strecke wurde bereits reserviert; die beiden Weichen vor „Block 18.2“ sind bereits beide auf Ablenkung.

Fährt nun der Zug in „Block 17.1“ auf den „Melder 10.1“ reagiert der Bahnwärter[2] für „Signal B5, Richtung nach oben“ (Bild 6, roter Kreis), allerdings nur unter der Bedingung, dass der „Melder 10.3“ nicht belegt meldet; auf diese Weise wird die Fahrtrichtung bestimmt (ein Gegenzug löst die Melder in anderer Reihenfolge aus).

Die Bahnwärter FB1, FB2 und FB3 (Bild 6, blauer Kreis) des Signals B5 reagieren auf das Auslösen des Bahnwärters „Signal B5, Richtung nach oben“ und überprüfen, ob

  • „ihre“ Fahrstrasse reserviert ist

  • welcher Gattung der Zug angehört

Jeweils nur für einen Bahnwärter können alle Bedingungen gleichzeitig zutreffen; in diesem Beispiel sind es diejenigen für „Bahnwärter FB2“. Dieser hat als Aktion das Stellen des Signals B5 (Bild 8) auf Fahrbegriff FB2 eingetragen (die anderen Bahnwärter sinngemäss).

Fährt unser Zug jetzt in den „Melder 10.5“ ein wird ein virtueller Kontakt[3] (Bild 6, grüner Kreis) nach dem errechneten Verlassen des Abschnittes mit 2 Sekunden Verzögerung eingeschaltet, das Freiwerden des „Abschnittes 10.5“ ist der Auslöser für den „Bahnwärter FB0“ (Bild 6, gelber Kreis): Als Bedingung ist hier eingetragen dass der virtuelle Kontakt aktiv sein muss (was er mit den 2s Verzögerung ist) und das Signal nicht FB0 anzeigen darf und eine Fahrstrasse aktiv sein muss; in diesem Fall wird das Signal auf Halt gestellt.

Block- und Abschnittsdefinition

Die Minimalkonfiguration eines Blockes besteht aus mindestens einem Abschnitt, welchem ein Melder zugeordnet ist.

Um eine höhere Zuverlässigkeit zu erreichen kann ein Block aus drei Abschnitten mit je einem Melder bestehen wie im gezeigten Beispiel

Block 17.1 besteht aus den drei Abschnitten A1, A2 und A3 mit den zugehörigen Rückmeldern RM1, RM2 und RM3

wobei von links nach rechts (von rechts nach links sinngemäss)

  • RM1 "nur" die Einfahrt in den Block meldet (hier ist die Signalsteuerung angehängt)

  • RM2 Bremsmelder

  • RM3 Haltemelder

Beim Einfahren in Block 17.1 von links kommend wird RM1 ausgelöst, dadurch erfolgt ausser der Blockbesetztmeldung noch nichts (oder doch - siehe Signalsteuerung). Beim Auslösen von RM2 wird, wenn das Signal Halt zeigt, die Geschwindigkeit so verringert, dass aufgrund der Geschwindigkeitskennlinie die Lok beim Erreichen von RM3 die Kriechgeschwindigkeit erreicht hat, beim Auslösen von RM3 wird so angehalten, dass 10cm vor dem Signal Schluss ist.

Abbremsen vor dem Signal

Fazit

Dies bestätigt wieder einmal, dass jede Software ihre Stärken und Schwächen hat, wie einige von uns bereits festgestellt haben (oder noch werden).

Es kann daher nur so sein, dass jeder für sich versucht, die für seine (speziellen) Bedürfnisse am Besten geeignete Software zu finden und die Unzulänglichkeiten, die er sich damit "eingehandelt" hat mit den zur Verfügung stehenden Mitteln zu umgehen.

Eine weitere Erkenntnis ist diejenige, dass trotz eingehender Evaluation (verschiedener) Software in theoretischer und in praktischer Form (mit dem berüchtigten "Test-Oval") die Knackpunkte erst mit der Inbetriebnahme der richtigen Anlage und deren Spezialitäten auftauchen - fast unmöglich, dies vorher seriös zu Testen ... wer hat schon auf seinem Test-Oval einen Schattenbahnhof, Signale, doppelte Gleisverbindungen, Weichenstrassen, und und und dann wär's ja kein Oval mehr!

Abkürzungen

[1] Bahnwärter: Ein Objekt, das unter bestimmten Bedingungen auf Zustandsänderungen anderer Objekte reagiert und entsprechende Aktionen auslösen kann

[2] Bahnwärter: Ein Objekt, das unter bestimmten Bedingungen auf Zustandsänderungen anderer Objekte reagiert und entsprechende Aktionen auslösen kann

[3] Virtueller Kontakt: Ein nicht existenter Rückmelder, der basierend auf der Auslösung eines reellen Rückmelders und der Distanz zu diesem sowie der Geschwindigkeit einer (eingemessenen) Lok eine Rückmeldung erzeugt

Last Update: 27.12.2014, 11:00