Buchli-Legende


Die Ae4/7 war über lange Zeit die grösste gebaute Serie der SBB, die über Jahrzehnte das Bild der SBB prägte.

 

Pflichtenheft

Das Pflichtenheft für die Ae4/7 sah Folgendes vor:

  • Die Lokomotive musste in der Lage sein, eine Anhängelast von 600 Tonnen mit 90km/h auf einer Steigung von 20 Promille und mit 65km/h auf 12 Promille zu ziehen
  • Am Gotthard mit 26 Promille 360 Tonnen mit 65km/h zu befördern
  • Höchstgeschwindigkeit 100km/h

Die Lokserie der Ae4/7 erreichte mit 127 Exemplaren einen Höchstand, der erst mit dem Bau der Re4/4 II Jahrzehnte später überschritten wurde. Die Beschaffung erfolgte während sieben Jahren in mehreren Etappen. Ab Oktober 1925 waren am Bau beteiligt:

 

  • SLM Winterthur für den mechanischen Teil aller 127 Maschinen
  • BBC Baden für den elektrischen Teil von 73 Maschinen
  • MFO Oerlikon für den elektrischen Teil von 32 Maschinen
  • SAAS Genf für den elektrischen Teil von 22 Maschinen

Die Ae4/7 erhielt wie die ältere Ae3/6 I den bewährten Einzelachsantrieb System Buchli-BBC, der mit Hebeln und Zahnsegmenten das Motorendrehmoment vom Zahnrad auf die Radscheibe überträgt und gleichzeitig die Ausfederung der Triebachse gegenüber dem im Lokrahmen montierten Fahrmotor ausgleicht. Diese Einrichtung ist unter den für diesen Loktyp charakteristischen Getriebeverschalungen verborgen, die sich auf der sogenannten Antriebsseite vor den Rädern befindet.

Auf der anderen Seite der Lok sind zum Gewichtsausgleich mehrheitlich die Apparate angeordnet. Hier sind auch die Speichenräder mit ihren beachtlichen 1610 Millimeter Durchmesser sichtbar. Die Ae4/7 ist von ihrem Erscheinungsbild her stark geprägt durch die beiden Vorbauten. Auf der Führerstandsseite I (bei der einzelnen Laufachse) ist die Kompressoranlage untergebracht.

Dauernde Modernisierungen, Verbesserungen und Umbauten

Die ganze Lokserie wurde immer wieder modernisiert und den steigenden Anforderungen angepasst: Zur Verminderung von Zugluft wurden auf der Seite des Lokführers die Seitentüren verschlossen, der Einstieg ist nur noch über das Umlaufblech von der Stirnseite her möglich. Ab der Nummer 10917 gelangten etwas stärkere Motoren mit 2300kW (statt 2060kW) zum Einbau. Spätere Umbauten betrafen die Entfernung der Übergangsbleche, den Austausch der Stangen- gegen Hülsenpuffer und den Ersatz der Gleit- durch Rollenlager. Ab 1965 wurden die meisten Exemplare neu verkabelt. Die Serie der Nummern 10973 - 11002 war vorwiegend für den Gebirgsdienst bestimmt und erhielt die elektrische Rekuperationsbremse. Da diese Lokomotiven mit 123 Tonnen etwas schwerer gerieten als ursprünglich geplant, mussten sie zur Einhaltung der Meterlast von 7.2t/m verlängert werden. Weil nicht viel fehlte, reichte der als Verstärkung deklarierte Einbau von blechverkleideten Eichenholzschwellen zwischen den Puffern und den Stossbalken! Dieser "Kunstgriff" ist aber derart gut ins Gesamtbild intergiert, dass er nicht einmal denen in's Auge stach, die jahrelang mit der Lokomotive zu tun hatten.
Bis zum Jahre 1984 waren alle Ae4/7 mit den originalen Nummern und Fabrikschildern ausgerüstet. Eine Diebstahlwelle zwang dann zur überraschenden Entfernung der Bronzeschilder, die Nummern wurden nur noch mit gelber Farbe auf der Lok angebracht.

Mehrere Ae4/7 waren auch in schwere Unfälle verwickelt

  • Am 11.08.1939 verunglückte die Ae4/7 1973 bei der Einfahrt in den Bahnhof Domodossola mit ihrem, wegen Bremsversagen viel zu schnellen Güterzug und verschwand  unter einem gewaltigen Haufen zerstörter Güterwagen.
  • Am 15.09.1941 fuhr die 10984 bei Veataux-Chillon in den Krater, den eine Minenexplosion unmittelbar vor der Vorbeifahrt des Zuges in's Bahntrassee gerissen hatte - hinter ihr türmten sich die aufgelaufenen Wagen auf.
  • Am 12.11.1968 stiess bei Grandvaux die 10988 als Vorspannlok mit einem Güterzug frontal zusammen, wobei die entgegenkommende Ce6/8 II 14277 auf's Dach der Ae4/7 hinauf fuhr. Die Ce6/8 und die ebenfalls beteiligte Ae3/6 III 10261 wurden abgebrochen, die Ae4/7 in der Hauptwerkstätte Zürich wieder instandgestellt, von wo sie gerade hauptrevidiert gekommen war.
    Bei einem Rangierunfall in Concise wurde sie aber am 07.06.1988 so schwer beschädigt, dass sie abgebrochen werden musste.
  • Als letzes bemerkenswertes Ereignis sei noch der Unfall in Denges bei Lausanne erwähnt, bei welchem am 14.09.1985 die beiden als Lokzug fahrenden Ae4/7 10940 und 11011 mit einem Personenzug, gezogen von einer Re4/4 II 11312, zusammenstiessen. Alle drei Lokomotiven wurden an Ort und Stelle "entsorgt".

Die steigende Verfügbarkeit der Re4/4 460 und ein damaliger Rückgang des Güterverkehrs machten zahlreiche Re4/4 II frei und letztlich die Ae4/7 arbeitslos. Der 29.05.1996 war der letzte Einsatztag dieser hervorragenden Maschinen.
Mit 7'982'818 zurückgelegten Kilometern war die Ae4/7 11010 an zweiter Stelle aller 127 Maschinen. Mit 7'988'317 Kilometern brachte es die 11014 auf den ersten Platz. Alle Ae4/7 zusammen legten bis zum Ende ihres Einsatzes 831'939'762 Kilometer zurück.

Erhalten geblieben sind

10905, Depot Rorschach, 10976, Depot Lausanne als historische Lokomotiven. 18 Lokomotiven aller Typen bei Classic Rail, Basel, darunter die 10010, die nach 64 Jahren am 30.11.1996 ausrangiert wurde.
Die Nummer 11026 konnte durch die Grosszügigkeit der Firma ADtranz vom Verein Mikado 1244 in Brugg im Jahre 2001 übernommen werden, wo sie alsbald einen neuen Anstrich erhielt. Diese Maschine dürfte die sauberste in der Schweiz verkehrende Lokomotive sein - regelmässig erhält sie ein "Schaumbad"und wird mit Autopolitur auf Hochglanz gebracht.
Die 11026 wurde am 03.10.1934 in Betrieb genommen und am 30.11.2006 nach erreichten 5'844'389 Kilometern ausrangiert.

Technische Daten

Länge über Puffer  16760mm
Achsabstand total12675mm
Triebraddurchmesser1610mm
Laufraddurchmesser950mm
Anzahl Fahrmotoren4
Getriebeübersetzung1:2.57
Reibungsgewicht77/79t
Dienstgewicht18/123t
Max. Anfahrzugkraft am Rad196.2kN
Stundenzugkraft am Rad127.5kN
Stundenleistung am Rad2296kW
Stundenleistung an der Welle4x610kW (bei V 65km/h)
Dauerleistung am Rad2252kW
Dauerleistung an der Welle4x590kW (bei V 66km/h)
Max. Geschwindigkeit100km/h

Verschrottung Lokomotive Ae4/7


12.08.2018